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Honigbienen und Wildbienen

Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern und nehmen eine wichtige Schlüsselrolle in unseren natürlichen und landwirtschaftlichen Ökosystemen ein.

Doch nicht alle Bienen sind gleich: Während die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) in staatenbildenden Kolonien lebt und von Imker*innen betreut wird, gibt es in Deutschland über 560 Wildbienenarten, die meist solitär, also einzeln, leben. Doch was unterscheidet sie genau, und wie ergänzen sie sich?

Honigbienen – die bekanntesten Bestäuber aus dem Bienenstock

Honigbienen ©PolyDot (Pixabay)

Honigbienen sind die wohl bekanntesten Vertreter der Bienenfamilie. Sie leben in Völkern mit bis zu 50.000 Individuen und sind das ganze Jahr über aktiv. Ihre Produkte werden vom Menschen bereits seit Jahrtausenden genutzt. Heute zählt die Honigbiene nicht nur als Honiglieferant, sondern auch als unverzichtbarer Bestäuber zu den wichtigsten Nutztieren in der Landwirtschaft. Sie (bzw. ihre Unterarten) ist mittlerweile weltweit verbreitet.

Lebensweise  

Honigbienen leben (hoch-)eusozial, d.h. sie bilden komplexe Staaten, in denen jede Biene eine bestimmte Aufgabe für das Wohlergehen aller erfüllt. Das Bienenvolk besteht aus einer Königin, mehreren tausend Arbeiterinnen und den Drohnen. Die Königin ist für den Fortbestand (Paarung und Eiablage) und den Zusammenhalt des Volkes zuständig. Um sie herum tummeln sich die Arbeiterinnen, die Nahrung beschaffen, die Brut pflegen und ihr Zuhause verteidigen.  Bei den Drohnen handelt es sich um männliche Bienen, die im Sommer nur eine Aufgabe haben: die Begattung der Königin. Mit der Erfüllung ihrer Aufgabe ist ihr Leben beendet. Drohnen, die sich nicht paaren konnten werden aus dem Bienenstock vertrieben.  Die Staaten können über mehrere Jahre bestehen. Natürlicherweise leben Honigbienen in Baumhöhlen. Heute finden wir sie vor allem in den typischen aus Holz gebauten Bienenstöcken. 

Nahrung

Honigbienen sind Generalisten, d.h. sie Sammeln den Pollen und Nektar von vielen verschiedenen Pflanzenarten und -gattungen. Ihr Flugradius und damit auch der Sammelradius, ist um einiges größer, als der von Wildbienen.

Wildbienen – die heimlichen Helden der Bestäubung

Holzbiene ©Gernot (Pixabay)

In Deutschland gibt es über 560 Wildbienearten. Von Sandbienen über Holz- und Mauerbienen bis hin zu Hummeln. Wildbienen sind in Form, Größe und Lebensweise sehr vielfältig. Viele Arten sind nur wenige Millimeter groß und werden oft gar nicht als Bienen wahrgenommen. Die Blauschwarze Holzbiene zählt mit bis zu 28 Millimeter Körperlänge zu den größten Wildbienen.

Lebensweise

Je nach Art bauen sie ihre Nester in Erdlöchern, in Mauerritzen oder auch im Totholz. Im Gegensatz zur Honigbiene lebt der Großteil aller Wildbienenarten solitär, also einzeln. Jedes Weibchen baut und versorgt dabei ihr eigenes Nest. Nur wenige Arten, wie z.B. Hummeln und einige Arten der Furchenbienen leben (eu)sozial, bilden aber meist nur kleine einjährige Kolonien. Wildbienen stellen keinen Honig her, da der gesamte Nektar direkt für die Brutversorgung verbraucht wird.

Nahrung

Viele Wildbienenarten sind oligolektisch, d.h. sie sind auf den Pollen und Nektar ganz bestimmter Pflanzenfamilien, -gattungen oder auch bestimmter Pflanzenarten angewiesen, um sich und ihre Brut zu versorgen. Man nennt sie auch Spezialisten. Eine davon ist die Efeu-Seidenbiene, die sich ausschließlich von Efeu ernährt.

 

Honigbienen ©Anette Mayer (Pixabay)

Konkurrenz und Gefährdung

Konkurrenz 

In der öffentlichen Debatte über das fortschreitende Bienensterben wird oft die Frage gestellt, ob Honigbienen die Wildbienen verdrängen. Da sich die Lebensräume von Honigbienen und Wildbienen oftmals überschneiden, kann es tatsächlich zur Konkurrenz um Pollen und Nektar kommen. Vor allem eine zu hohe Dichte an Honigbienenvölkern in bestimmten Gebieten kann dazu führen, dass Wildbienen weniger Nahrung finden. Denn Honigbienen sind Generalisten und sammeln Nektar und Pollen an vielen unterschiedlichen Blüten, während viele Wildbienen auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind. Deshalb ist es wichtig, eine Balance zu schaffen und insbesondere in Naturschutzgebieten keine oder nur wenige Honigbienenvölker mit einem guten Abstand voneinander zu halten. Sofern die Honigbienen-Anzahl in einem regulierten Bereich bleibt, können sie sich aber auch ergänzen und gemeinsam zur Stabilität von Ökosystemen beitragen.

Gefährdungen

Sowohl Honigbienen, aber vor allem Wildbienen sind einigen Bedrohungen ausgesetzt. Während Honigbienen vor allem unter Krankheiten und Parasiten wie der Varroamilbe leiden und dadurch stark von der menschlichen Pflege abhängig sind, sind Wildbienen besonders stark von Lebensraumverlust und dem vermehrten Einsatz von Herbiziden und Pestiziden betroffen. 

Hauptgefährdungsursachen von Wildbienen

Intensive Landwirtschaft

Monokulturen und der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden reduzieren das Blütenangebot drastisch und zerstört wichtige Lebensräume. In vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen gibt es kaum noch Wildkräuter und andere natürliche Strukturen, die für Wildbienen essenziell sind. Pestizide, insbesondere Neonicotinoide, können zudem das Nervensystem der Bienen schädigen und ihre Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen. Besonders die Ackerbegleitflora, also Wildkräuter, die natürlicherweise auf Feldern wachsen, ist durch den Einsatz von Herbiziden fast vollständig verschwunden. Diese Pflanzen sind jedoch eine wichtige Nahrungsquelle für viele, auch spezialisierte, Wildbienen. In der Folge schrumpfen die Bestäuberpopulationen, was langfristig auch die Bestäubung von Nutzpflanzen gefährdet.

Flächenversiegelung

Städtewachstum, Straßen, Parkplätze und Gebäude nehmen immer mehr Raum ein. Wildbienen, die auf offenen Boden, Totholz oder Hohlräume für ihre Nester angewiesen sind, finden immer weniger geeignete Plätze. Selbst in Gärten und Parks dominieren oft sterile Rasenflächen statt artenreicher Blühwiesen, wodurch die Nahrungsgrundlage weiter schwindet.

Klimawandel

Durch steigende Temperaturen und veränderte Klimabedingungen können die natürlichen Rhythmen der Bienen durcheinander geraten. Manche Pflanzen blühen zum Beispiel früher oder kürzer als gewohnt, wodurch spezialisierte Wildbienen nicht mehr rechtzeitig Nahrung finden. Extremwetterereignisse wie lange Trockenperioden oder Starkregen setzen den Bienen zusätzlich zu und können ganze Populationen gefährden.

Daher ist es essenziell, Maßnahmen zum Schutz zu ergreifen, um ihr Überleben und damit die Bestäubungsleistung für unser Ökosystem langfristig zu sichern!

 

Pelzbiene ©Barbara P. Meister (Pixabay)

Was wir für Wildbienen tun können

Die gute Nachricht: Jede*r kann etwas tun, um Wild- und Honigbienen zu unterstützen! Hier sind einige einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen:

Mehr Blühflächen schaffen: Setzt auf heimische Wildpflanzen in Gärten, Parks und auf Balkonen.

Totholz, Laub, abgeblühte Stauden und offene Bodenstellen belassen: Viele Wildbienen nisten in sandigen Böden, altem Holz oder den hohlen Stängeln abgeblühter Stauden. Solche Strukturen zu erhalten, hilft ihnen enorm. Verzichte also auf den Rückschnitt im Herbst. Wenn du mit dem Frühjarsputz noch etwas länger wartest, gibst du den Wildbienen (und auch anderen Überwinterungsgästen), die nötige Zeit und Raum, problemlos in den Frühling zu starten. Den optimalen Zeitpunkt für solche Arbeiten gibt es nicht, da die verschiedenen Arten auch unterschiedliche Aktivitätszeiten haben. Grundsätzlich gilt: je später, desto besser. 

Insektenfreundliche Bepflanzung: Grundsätzlich sollte torffreie Erde verwendet und auf chemische Pestizide und Düngemittel verzichtet werden. Heimische Pflanzen sind besonders wertvoll, da sie perfekt an die Bedürfnisse der Wildbienen und andere heimische Bestäuber angepasst sind. Vielfalt in Blütenformen, Farben und Pflanzenfamilien sorgt für ein breites Nahrungsangebot. Zudem ist eine lange Blühperiode entscheidend, damit Bestäuber vom Frühling bis in den Herbst Nahrung finden. Ungefüllte Blüten und Wildpflanzen sind dabei ebenfalls wichtig, da sie leicht zugänglichen Nektar bieten. 

Wildkräuter stehen lassen: Manchmal muss man gar nicht viel tun, um einen Beitrag zu zur Förderung Artenvielfalt zu leisten. Wildkräuter wie Brennesseln, Löwenzahn und der bei Gärtner*innen verhasste Giersch sind für Insekten umso wertvoller.

Wasserstellen anbieten: Flache Schalen mit Wasser und kleinen Steinen oder Moos als Landehilfe helfen Bienen, sicher zu trinken. Besonders an heißen Tagen ist dies eine wertvolle Unterstützung.

Naturnahes Mähen: Selteneres Mähen von Rasenflächen oder das Anlegen von Blumenwiesen fördert die Artenvielfalt und erhält wertvolle Nahrungsquellen. Wenn gemäht werden muss, dann am besten abschnittsweise, sodass immer ein Teil der Wiese als Rückzugsort bleibt.

Beleuchtung nachts ausschalten: Künstliche Beleuchtung bei Nacht stört den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus mancher Insekten und macht nachtaktive Insekten wie Nachtfalter orientierungslos. Deshalb hilfst du den kleinen Lebewesen schon damit, bei Nacht das Licht draußen, im Garten oder auch auf dem Balkon auszuschalten. 

Wildbienenhotels aufstellen: Speziell gebaute Nisthilfen können vielen Wildbienenarten ein Zuhause bieten, allerdings nur wenn sie gut gemacht sind. Nicht alles, was im Handel erhältlich ist, ist für Wildbienen wirklich eine Hilfe und kann im schlimmsten Fall sogar mehr schaden als nutzen. Anleitungen zum Bau von Insektenhotels findest du auch auf unserer Website.

Bewusster Umgang mit Honigbienenvölkern: Imker*innen sollten sich bewusst sein, dass in ökologisch sensiblen Gebieten eine Überpopulation von Honigbienen negative Effekte auf Wildbienen und das lokale Ökosystem haben kann.