Die faszinierende Welt der Wirbellosen – Vielfalt, Systematik und Bedeutung
Insekten
Insekten sind die artenreichste Tiergruppe der Erde und machen in Deutschland ca. 70% aller Tierarten aus. Sie spielen eine entscheidende Rolle in unserem Ökosystem. Sie bestäuben Pflanzen, zersetzen organisches Material, sind Nahrung für viele andere Tiere und regulieren Schädlinge.
Insekten gehören zum Stamm der Gliederfüßer (Arthropoda) und zur Klasse der Insekten (Insecta). Die Einordnung der vielen und vielfältigen Vertreter in diese Klasse ist sehr komplex und kann hier nicht im vollen Umfang wiedergegeben werden. Wir geben aber einen guten Überblick über die großen, bei uns vorkommenden, Artengruppen und gehen auf deren Merkmale und Lebensweisen ein.
Allgemeine Merkmale
Charakteristisch für Insekten ist ihr dreigeteilter Körper. Er lässt sich in die folgenden Abschnitte untereilen:
- Kopf (Caput)
- Brust (Thorax)
- Hinterleib (Abdomen)
Am Kopf sitzen die Fühler, die der Wahrnehmung von Gerüchen, Vibrationen und Luftströmungen dienen, die Facettenaugen, sowie die Mundwerkzeuge. Die Ausbildung der Mundwerkzeuge kann je nach Ernährungsweise sehr vielfältig sein. An der Brust sitzen sechs Beine und (falls vorhanden) die Flügelpaare (meistes zwei). Der Hinterleib enthält die meisten inneren Organe, wie Verdauungs- und Fortpflanzungsorgane.
Holometabole und hemimetabole Entwicklung
Die Klasse der Insekten wird in zwei Gruppen unterteilt. In die ungeflügelten „Ur-Insekten“ (Apterygota) und die Fluginsekten (Pterygota). Bei den Fluginsekten findet eine weitere Unterteilung hinsichtlich ihrer Entwicklungsweise statt. Unterschieden wird hier zwischen holometabolen und heterometabolen Insekten.
Holometabole Insekten durchlaufen während ihres Lebenszyklus eine vollständige Umwandlung (Metamorphose). Das bedeutet, dass sie sich in vier klar abgegrenzten Phasen entwickeln.
- Ei: Der Anfang ihrer Entwicklung
- Larve: Eine oft ganz anders aussehende, meistwurmartige Phase, in der sie hauptsächlich fressen und wachsen
- Puppe: In einem geschützten Kokon oder einer Verhüllung findet die Umwandlung statt
- Erwachsenes Insekt (Imago): Mit Flügeln und voll entwickelten Organen ausgestattet, übernimmt es die Fortpflanzung und oft auch neue Lebensweisen.
Hemimetabole Insekten durchlaufen hingegen eine unvollständige Metamorphose, bei der sich ihre Form und Funktion schrittweise verändert.
- Ei: Der Anfang ihrer Entwicklung
- Nymphe: die junge Phase, in der sie bereits vielen Merkmalen der Erwachsenen ähneln (Körperbau), aber noch nicht voll entwickelt sind (Flügel, Geschlechtsorgane). Mit jeder Häutung wächst die Nymphe und entwickelt nach und nach die endgültigen Strukturen.
- Erwachsene Insekt (Imago): nach mehreren Häutungen voll ausgebildetes Insekt.
Käfer (Coleoptera)

Goldglänzender Rosenkäfer © Sinason – Pixabay
Die Käfer (Coleoptera) sind mit 350.000 beschriebenen Arten die größte Ordnung innerhalb der Insekten. In Deutschland kommen etwa 7.000 Arten vor.
Käfer haben stark verhärtete Vorderflügel (Elytren). Diese dienen als Schutz für das darunterliegende, häutige und meist farblose Hinterflügelpaar, dass für den Flug genutzt wird. Nicht alle Käfer können fliegen. Die beißend-kauenden Mundwerkzeuge, sind an die unterschiedlichen und vielfältigen Ernährungsweisen angepasst. Einige Arten saugen Pflanzensäfte, andere ernähren sich von Holz, Aas oder dem Kot anderer Tiere. Sie sind nahezu weltweit verbreitet und kommen in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor.
Ausgewählte Käferfamilien
Rüsselkäfer (Curculionidae)

Die Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) ist weltweit eine der artenreichsten Familien aller Lebewesen. In Deutschland gibt es etwa 950 Arten von Rüsselkäfern. Sie alle sind gut an ihrem Rüssel zu erkennen, einer Verlängerung des Kopfes, an dem die Fühler und Mundwerkzeuge sitzen. Die Käfer und ihre Larven ernähren sich von Pflanzen und sind teilweise auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert.
Blatthornkäfer (Scarabaeidae)

Die Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) ist in Deutschland mit rund 160 Arten vertreten, auch Maikäfer und Rosenkäfer gehören dazu. Typisch sind die keulenförmigen oder kammartigen Enden der Fühler. Ihre Körperform und -farbe kann sehr unterschiedlich sein. Die Käfer und ihre Larven ernähren sich von Pflanzen oder Kot. Teilweise entwickeln sich die Larven in vermoderndem Holz.
Laufkäfer (Carabidae)

Die Familie der Laufkäfer (Carabidae) ist mit über 500 Arten in Deutschland vertreten. Sie sind gut an ihrem schlanken, oft flachen Körperbau und den langen Beinen, die schnelle Bewegungen ermöglichen, zu erkennen. Die meisten Laufkäfer bewohnen den Boden und die meisten Arten sind flugunfähig. Die Käfer und ihre Larven leben i.d.R. räuberisch und ernähren sich unter anderem von kleinen Insekten und Wirbellosen.
Bockhornkäfer (Cerambycidae)

Die Familie der Bockhornkäfer (Cerambycidae) ist mit etwa 200 Arten in Deutschland vertreten. Charakteristisch sind ihre meist langestrecken Körper und die auffallend langen Fühler, die oft die Körperlänge übertreffen. Die Käfer ernähren sich von Pollen, Blütenteilen und Pflanzensäften. Die meisten Larven sind hingegen holzfressend und entwickeln sich in totem oder sterbendem Holz. Viele Arten sind auf bestimmte Baumarten spezialisiert.
Schmetterlinge (Lepidoptera)

Die Insekten-Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera) ist nach den Käfern die artenreichste Gruppe der Insekten. Von den 160.000 Arten weltweit, kommen ca. 3.700 in Deutschland vor.
Schmetterlinge zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Farben und Mustern aus. Sie besitzen zwei große Flügelpaare, die mit farbigen Chitin-Schuppen überzogen sind. Vorder- und Hinterflügel sind durch einen Hakenmechanismus miteinander verbunden, wodurch der synchrone Flügelschlag ermöglicht wird. Am Kopf sitzen zwei Fühler und ein langes Saugrohr, mit dem sie Nektar aus tiefen Blütenröhren aufnehmen können.
In der Raupenphase ernähren sie sich von Pflanzenteilen und sind oft auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert. Als ausgewachsene Falter ernähren sie sich hauptsächlich vom Nektar unterschiedlicher Blütenpflanzen. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit sind Schmetterlinge auf allen Kontinenten bis auf die Antarktis verbreitet und besetzten zahlreiche ökologische Nischen.
Tag und Nachtfalter
Es wird zwischen Tag- und Nachtfaltern unterschieden, wobei diese Bezeichnung nicht zwingend den tatsächlichen Aktivitätszeiten entspricht. Tag- und Nachtfalter unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Haltung der Flügel und der Form ihrer Fühler: Tagfalter klappen ihre Flügel in Ruheposition meist senkrecht nach oben, während Nachtfalter sie flach an den Körper anlegen oder dachartig zusammenfalten. Zudem haben Tagfalter keulenförmige Fühler, während Nachtfalter oft fadenförmige, gekämmte oder gefiederte Fühler besitzen
Ausgewählte Nachtfalter-Familien
Eulenfalter (Noctuidae)

Die Familie der Eulenfalter (Noctuidae) ist mit über 35.000 Arten weltweit die artenreichste Gruppe der Schmetterlinge. In Deutschland sind mehr als 500 Arten vertreten. Die meisten Eulenfalter sind dämmerungs- oder nachtaktiv. Typisch für diese Falter ist ihr langgestreckter und kräftiger Körperbau. Ihre Vorderflügel sind meist graubraun mit einer rindenartigen Musterung, die als Tarnung dient. Die Hinterflügel können dagegen auffällig gefärbt sein. Ihre Antennen sind meist fadenförmig und stark gezähnt. Die Raupen der Eulenfalter ernähren sich von vielen verschiedenen krautigen Pflanzen, Laubbäumen und Sträuchern.
Schwärmer (Sphingidae)

Die Familie der Schwärmer (Sphingidae) umfasst weltweit rund 1.200 Arten, von denen etwa 20 in Deutschland vorkommen. Schwärmer gehören zu den schnellsten und ausdauerndsten Fliegern unter den Schmetterlingen. Sie haben einen kräftigen, stromlinienförmigen Körperbau, wobei ihre Größe stark variieren kann. Die meisten Arten sind nachtaktiv, doch es gibt auch tagaktive Arten, wie beispielsweise das Taubenschwänzchen. Ihre Fühler sind meist fadenförmig, und viele Arten haben auffällig gefärbte Flügelmuster. Eine besondere Eigenschaft der Schwärmer ist ihr Schwirrflug, bei dem sie ähnlich wie Kolibris mit ihrem langen Saugrüssel Nektar aus tiefen Blütenröhren aufnehmen.
Spanner (Geometridae)
Die Familie der Spanner (Geometridae) umfasst weltweit rund 23.000 Arten, von denen etwa 430 in Deutschland vorkommen. Charakteristisch ist ihr für Nachtfalter eher untypischer langer und schlanker Körperbau. Viele Arten sind gut getarnt und passen sich optisch ihrer Umgebung an. Ihre Fühler sind oft länger als ihr Körper und entweder feder- oder fadenförmig. Einige Arten sind sogar im Winter aktiv. Die Raupen ernähren sich überwiegend von den Blättern verschiedener Laub- und Nadelbäume sowie krautiger Pflanzen. Während einige Arten auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert sind, fressen andere ein breites Spektrum an Pflanzen (polyphag). Die erwachsenen Falter nehmen je nach Art kaum bis gar keine Nahrung auf oder ernähren sich von Nektar und Pflanzensäften.
Ausgewählte Tagfalter-Familien
Edelfalter (Nymphalidae)

Die Familie der Edelfalter (Nymphalidae) umfasst weltweit etwa 600 Arten, von denen rund 110 in Deutschland vorkommen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören das Tagpfauenauge (Aglais io) und der Kleine Fuchs (Aglais urticae). Edelfalter sind sehr vielfältig und bekannt für ihre auffälligen Farben, Muster und Formen. Sie besitzen große, breite Flügel und unterscheiden sich von anderen Schmetterlingen unter anderem durch rillenartige Kerben an den Fühlersegmenten. Die Raupen ernähren sich je nach Art von verschiedenen Pflanzenfamilien, darunter Brennnesseln, Veilchen oder Gräser. Ein besonderes Merkmal einiger Edelfalter ist die Mimikry. Sie ahmen das Aussehen oder Verhalten giftiger oder ungenießbarer Arten nach, um sich vor Fressfeinden zu schützen.
Bläulinge (Lycaenidae)

Die Familie der Bläulinge (Lycaenidae) ist weltweit mit etwa 5.200 Arten sehr artenreich. In Deutschland kommen etwa 48 Arten vor. Die Männchen haben häufig blaue Flügeloberseiten, während die Weibchen eher bräunlich gefärbt sind. Die Flügelunterseite weist je nach Arte oft eine charakteristische Musterung aus dunklen, zum Teil weiß umrandeten Flecken auf. Die Raupen vieler Bläulinge haben eine besondere Beziehung zu Ameisen, mit denen sie zusammenleben oder von denen sie gepflegt werden. Sie ernähren sich vorwiegend von Pflanzen der Hülsenfrüchtler–Familie. Die erwachsenen Bläulinge bevorzugen Nektar von blütenreichen Kräutern wie Thymian, Dost oder Wiesensalbei.
Weißlinge (Pieridae)

Die Familie der Weißlinge (Pieridae) umfasst weltweit etwa 1.000 Arten, von denen in Deutschland rund 26 Arten vorkommen. Sie sind meist an ihren weißen Flügeln zu erkennen, wie bei dem bekannten Kohlweißling, aber auch gelbe Vertreter wie der Zitronenfalter gehören zu dieser Familie. Die Raupen ernähren sich am liebsten von Schmetterlings- und Kreuzblütlern. Im Vergleich zu anderen Schmetterlingsarten sind die meisten Weißlingsarten, hinsichtlich der Raupenfutterpflanzen weniger spezialisiert.
Hautflügler (Hymneoptera)

Mauerbiene © Didgeman – Pixabay
Die Ordnung der Hautflügler (Hymneoptera) umfasst eine vielfältige Gruppe von Insekten, zu denen Ameisen, Bienen und Wespen (Stechimmen) gehören. Von den etwa 156.000 Aren weltweit, kommen rund 10.000 in Deutschland vor.
Hautflügler besitzen zwei Paar häutige, meist durchsichtige Flügel. Charakteristisch ist ihr meist schlanker Körperbau, wobei viele Arten eine deutliche „Wespentaille“ aufweisen. Ein weiteres Merkmal ist die Giftdrüse im Hinterleib, die bei vielen Arten in einem Stachel endet. Ihre Mundwerkzeuge sind je nach Art und Ernährungsweise unterschiedlich ausgebildet. Sie können leckend, saugend oder beißend sein. Viele Arten dieser Gruppe besitzen ein hoch entwickeltes Sozialverhalten und leben in komplexen Staaten mit arbeitsteiliger Organisation.
Ausgewählte Hautflügler-Familien
Bienen (Apiformes)

Als Bienen (Apiformes) werden verschiedene Familien innerhalb der Hautflügler zusammengefasst. Dazu gehört die Honigbiene als domestizierte Art, vor allem aber alle in Deutschland vorkommenden fast 600 Arten von Wildbienen. Fast die Hälfte davon gilt als gefährdet. Die meisten Wildbienen leben nicht sozial in einem Staat, sondern einzeln (Solitärbienen). Sie ernähren sich von Nektar und Pollen und sind teilweise auf bestimmte Pflanzen spezialisiert.
Faltenwespen (Vespidae)

Die Familie der Faltenwespen (Vespidae) gehört zu den Faltenwespenartigen (Vespoidea) und ist mit etwa 4.000 Arten beschrieben. Charakteristische Merkmale sind die in Ruhestellung längs gefalteten Flügel, die nierenförmigen Facettenaugen und die oft schwarz-gelbe Warntracht. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Familie zählen die Echten Wespen (Vespinae), zu denen auch die Gemeine Wespe und die Hornisse gehören, und die Feldwespen (Polistinae). Beide Gruppen bauen Papiernester, weshalb sie auch zu den Papierwespen zusammengefasst werden. Sie leben sozial und versorgen ihre Brut mit erbeuteten Insekten und andere Wirbellosen. Die erwachsenen Faltenwespen ernähren sich von Nektar (Bestäuber), teilweise auch von Baumsäften, Früchten und Tierkadavern.
Ameisen (Formicidae)

Die Familie der Ameisen (Formicidae) gehört ebenfalls zu den Faltenwespenartigen (Vespoidea). In Deutschland kommen etwa 110 Arten vor, weltweit sind bisher rund 15.000 beschrieben. Flügel haben nur die Jungköniginnen und geschlechtsreifen Männchen. Bis auf wenige Ausnahmen bilden alle Ameisenarten Staaten mit einer oder mehreren Königinnen, in denen jede Ameise eine bestimmte Aufgabe hat.
Grabwespen (Spheciformes)

Die Grabwespen (Spheciformes) sind in Deutschland mit rund 250 Arten die am häufigsten vertretene Familie. Ihr Erscheinungsbild kann sehr unterschiedlich sein. Wie alle Hautflügler haben sie vier Flügel, wobei die hinteren in der Regel kürzer sind, die sich im Flug über winzige Häkchen mit den vorderen verbinden. Grabwespen sind Räuber und auf bestimmte Beutetiere für ihre Brut spezialisiert. Die adulten Wespen ernähren sich von Blütenpollen und Nektar.
Zweiflügler (Diptera)

Schwebfliege © Andhoj -Pixabay
Die Zweiflügler (Diptera) sind eine artenreiche Insektenordnung, zu der Fliegen und Mücken gehören. In Deutschland kommen etwa 1000 Arten vor. Ein besonderes Kennzeichen der Zweiflügler ist die Rückbildung des hinteren Flügelpaares: Während die Vorderflügel häutig und meist farblos sind, sind die Hinterflügel zu kleinen Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet. Diese dienen als Gleichgewichtsorgan und ermöglichen den für Zweiflügler typischen, oft sehr wendigen Flug. Die meisten Arten haben kurze Fühler und spezialisierte Mundwerkzeuge, die entweder zur stechend-saugenden oder leckend-saugenden Nahrungsaufnahme dienen.
Ausgewählte Zweiflügler-Familien
Schwebfliegen (Syrphida)

Die Schwebfliegen (Syrphidae) sind eine Familie innerhalb der Zweiflügler. In Deutschland kommen rund 450 Arten vor. Sie sind sehr gute Flieger und können leicht an ihrem Schwirrflug und der oft schwarz-gelben Musterung erkannt werden. Erwachsene Schwebfliegen ernähren sich nur von Nektar und Pollen. Ihre Larven ernähren sich auch von Abfällen oder anderen Tieren.
Stechmücken (Culicidae)

Die Stechmücken (Culicidae) sind ebenfalls eine Familie innerhalb der Zweiflügler. Von den weltweit 3.500 Stechmückenarten kommen über 50 in Deutschland vor. Nur die weiblichen Stechmücken saugen Blut. Beide Geschlechter ernähren sich von Pollen und Nektar. Die Larven ernähren sich von Plankton und zerfallener organischer Substanz (Detritus). Beim Stich können Krankheiten übertragen werden. In Europa kommt das aber selten vor.
Libellen (Odonata)

Blauflügel Prachtlibelle © naturepic – Pixabay
Libellen sind eine Insekten-Ordnung mit 79 Arten in Deutschland. Sie werden in Groß- und Kleinlibellen unterteilt. Zu erkennen sind sie an ihrem langen Körper, den vier Flügeln und den großen Facettenaugen. Sie leben räuberisch und ernähren sich von anderen Insekten, die sie im Flug erbeuten. Die Larven entwickeln sich im Wasser, weshalb Libellen meistens in der Nähe von Gewässern zu finden sind. Einige Arten sind auf ganz bestimmte Lebensräume angewiesen.
Groß- und Kleinlibellen
Die Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinlibellen lässt nicht unbedingt einen Rückschluss auf die Körpergröße zu. Der Unterschied liegt vielmehr in der Haltung der Flügel und dem Abstand der Augen. Während des Ruhezustandes legen Kleinlibellen ihre Flügel an den Körper an. Außerdem liegen ihre Augen weit voneinander entfernt und berühren sich nicht. Im Gegensatz dazu, lassen Großlibellen ihr Flügel i.d.R. ausgestreckt und ihre Augen stoßen aneinander.

Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)
Foto: moonzigg – Pixabay

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens)
Foto: Psubraty – Pixabay
Heuschrecken (Orthoptera)
Die Ordnung der Heuschrecken (Orthoptera) zeichnet sich vor allem durch ihre zu kräftigen Sprungbeinen entwickelten Hinterbeine und ihre typischen Zirplaute aus. Die Laute werden durch das Reiben des oberen und unteren Flügels oder der Hinterbeine erzeugt. Sie werden in Lang- und Kurzfühlerschrecken eingeteilt. Die meisten Arten ernähren sich wie die Sumpfschrecke, eine Kurzfühlerschrecke, von Pflanzen, manche wie das Grüne Heupferd leben jedoch räuberisch. Sie besitzen zwei Flügelpaare und können teilweise gut fliegen. In Deutschland gibt es 82 Heuschrecken-Arten.
Zu den Langfühlerschrecken (Ensifera) gehören unter anderem die sehr vielfältige Familie der Laubheuschrecken (Tettigoniidae) und die Familie der Grillen (Grylloidea).

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)
Foto © cocoparisienne – Pixabay

Feldgrille (Gryllodes sigillatus)
Foto ©Hans – Pixabay
Bekannte Vertreter der Kurzfühlerschrecken (Caelifera) findet man bei uns unter anderem in der Familie der Feldheuschrecken (Acrididae), wie zum Beispiel die Sumpfschrecke oder der Wiesen-Grashüpfer.

Sumpfschrecke (Stethophyma grossum)
Foto ©Andhoj – Pixabay

Wiesen-Grashüpfer (Chorthippus dorsatus)
Foto ©kie-ker – Pixabay
Schnabelkerfe (Hemiptera)

Blutzikade © Aliena Hofmann
Die Schnabelkerfe (Hemiptera) sind eine äußerst vielfältige Insektenordnung, zu der Wanzen, Zikaden und Blattläuse gehören. Das wichtigste gemeinsame Merkmal ist ihr stechend-saugendes Mundwerkzeug (Rüssel), mit dem sie flüssige Nahrung wie Pflanzensäfte, oder auch Körpersäfte anderer Insekten (räuberische Arten) aufnehmen. Sie sind in nahezu allen Lebensräumen verbreitet und können je nach Art als Schädling oder Nützling eine wichtige Rolle im Ökosystem spielen.
Ausgewählte Schnabelkerfe-Familien
Wanzen (Heteroptera)

Wanzen (Heteroptera) sind sehr artenreich, in Deutschland gibt es fast 900 Arten. Sie sind in Aussehen und Lebensweise sehr vielseitig. Ihre Nahrung nehmen sie alle mit einem Saugrüssel auf. Die meisten Wanzen ernähren sich von Pflanzensäften, manche jedoch auch räuberisch. Sie besitzen zwei paar Flügel, wobei das Deckflügelpaar oft ledrig und auffällig gefärbt ist. Charakteristisch ist außerdem das dreieckige Rückenschild, das von Art zu Art unterschiedlich ausgeprägt ist. Wanzen besiedeln die unterschiedlichsten Lebensräume: auf Pflanzen, im oder auf dem Wasser, oder in menschlichen Wohnungen (Bettwanzen).
Ohrwürmer (Dermaptera)

Ohrwurm Erik © Karits – Pixabay
Die Ordnung der Ohrwürmer (Dermaptera) zeichnet sich vor allem durch ihre gut zu erkennenden Zangen (Cerci) am Ende ihres Hinterleibes aus. Die Zangen dienen der Verteidigung und der Fortpflanzung (Balz). Sie besitzen einen langestreckten rot-braunen Körper und die meisten Arten haben deutlich verkümmerte Flügel, die nur bedingt zum Fliegen geeignet sind. Ohrwürmer sind Allesfresser (omnivor) und ernähren sich hauptsächlich von Pflanzenmaterial, sowie Früchten und (toten) Insekten. Da sie sich auch von Blattläusen und Raupen ernähren, gelten sie als Nützlinge unter Gärtner*innen.
Netzflügler (Neuroptera)

Florfliege © artsehn – Pixabay
Die Ordnung der Netzflügler (Neuroptera) ist weltweit mit ca. 5500 Arten beschrieben. Davon kommen ca. 100 in Deutschland vor. Zu den bei uns bekanntesten Familien zählen bei uns die Florfliegen und die Ameisenjungfern. Charakteristisch sind ihre durchscheinenden, netzartig geaderten Flügel, die in Ruhestellung dachartig gefaltet sind. Sie besitzen meist beißend-kauende Mundwerkzeuge. Die Larven leben räuberisch und ernähren sich von kleinen Insekten. Die ausgewachsenen Netzflügler ernähren sich meistens von Pollen, Nektar und Honigtau, einige leben ebenfalls räuberisch.
Ausgewählte Zweiflügler-Familien
Florfliegen (Chrysopidae)

Die Familie der Florfliegen (Chrysopidae) ist bei uns mit ca. 35 Arten vertreten. Weltweit kommen etwa 2000 Arten vor. Ihre langen, dünnen Fühler sind oft fast so lang wie das Tier selbst. Sie sind gelbgrün, seltener bräunlich gefärbt und besitzen metallisch glänzende Facettenaugen. Zu den Beutetieren der Larven zählen Blattläuse, kleine Raupen, Wollläuse und Spinnmilben, was sie unter Gärtner*innen zu einem wichtigen Nützling macht.
Ameisenjungfern (Myrmeleontidae)

Die Familie der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae) ist weltweit mit etwa 2000 Arten beschrieben, in Mitteleuropa kommen ca. 11 Arten vor. Charakteristisch sind ihr libellenähnliches Erscheinungsbild und ihre keulenförmig verdickten Fühler. Sie sind meistens bräunlich gefärbt. Die Larven sind Lauerjäger und besitzen einen besonders großen Fangkiefer. Sie legen kleine Trichter in losem Sand an und verstecken sich am Grund um herabstürzende Insekten, v.a. Ameisen zu erbeuten. Die ausgewachsenen Ameisenjungfern sind nachtaktiv und machen Jagd auf kleine Nachtfalter, ernähren sich aber auch von Pollen und Nektar.
Spinnentiere

Wespenspinne © adege – Pixabay
Die Spinnentiere (Arachnida) gehören ebenfalls zur Klasse der Gliederfüßer. Zu den bekanntesten Ordnungen zählt die der Webspinnen. Aber auch Milben, Zecken und Skorpione gehören zu den Spinnentieren.
Webspinnen (Araneae)
Die Ordnung der Webspinnen ist sehr artenreich. Weltweit sind ca. 42.000 Arten beschrieben. In Deutschland kommen rund 1.000 Webspinnenarten vor. Sie werden weiter unterteilt in die Gliederspinnen, Vogelspinnenartige und die Echten Webspinnen.
Anders als Insekten haben sie acht Beine, einen zweigeteilten Körper und Punktaugen. Der Körper der Webspinnen besteht aus einem zusammengewachsenen Kopf- und Brustteil sowie dem meist größeren Hinterleib. Am Vorderkörper sitzen neben den vier Beinpaaren (wichtige Sinnesorgane) und den Augen, Kieferklauen und Giftdrüsen. Spinnen leben räuberisch und viele von ihnen fangen ihre Beute, Insekten oder andere Gliederfüßer, mit den typischen Netzen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Spinnennetztypen, wie Radnetze, Baldachin- oder Trichternetze. Alle Webspinnen legen Eier. Bei uns zählen sie zu den Nützlingen, da sie Mücken und Fliegen fangen.
Ausgewählte Webspinnen-Familien
Radnetzspinnen (Araneidae)

Die Familie der Echten Radnetzspinnen (Araneidae) ist die drittgrößte Familie der Webspinnen und mit über 3.000 Arten weltweit vertreten. In Deutschland ist die Garten-Kreuzspinne eine der bekanntesten und häufigsten Arten. Charakteristisch sind die drei behaarten Klauen an den Beinspitzen, mit denen sie die typischen Radnetze weben. Sie besitzen meistens eine auffällige Musterung und ernähren sich von Heuschrecken, Faltern Blattläusen und anderen Anthropoden. Einige Arten leben sogar in großen Kolonien.
Zitterspinnen (Pholcidae)

Die Familie der Zitterspinnen (Pholcidae) ist weltweit mit fast 990 Arten vertreten. In Deutschland sind bisher 5 Arten bekannt. Die bekannteste Art ist die Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides), die sich gerne in unseren Häusern und Wohnungen aufhält. Sie besitzen meistens eine eher unauffällige graugelbe Färbung und lange zierliche Beine. Bei Gefahr „zittern sie in ihrem Netz, indem sie sich schnell hin und her schwingen. Dabei verschwimmen sie, was bei dem Angreifer für Verwirrung sorgt. Nicht alle Arten zeigen dieses Verhalten. Ihre Netzte sind eher unregelmäßig und oft dreidimensional gewebt.
Krebstiere
Asseln (Isopoda)
Zu den Krebstieren gehört u.a. die Ordnung der Asseln (Isopoda). Denn alle Asseln stammen ursprünglich aus dem Meer und auch die Landasseln, von denen es 53 Arten in Deutschland gibt, atmen durch Kiemen am Hinterleib. Zudem liegen in den vorderen Beinen Hohlräume, mit denen sie Sauerstoff aus der Luft aufnehmen können. Ihr Körper ist abgeflacht, in Segmente unterteilt und besitzt sieben Beinpaare. Als Zersetzer organischen Materials spielen sie eine wichtige Rolle im Ökosystem.
Ausgewählte Assel-Familien:
Rollasseln (Armadillidiidae)

Die Familie der Rollasseln (Armadillidiidae) ist in Deutschland mit 5 Arten vertreten. Sie besitzen eine dunkel bis blaugraue Färbung, wobei die Weibchen meist heller marmoriert sind. Bei Gefahr können sie ihren kurzen, hochgewölbten Körper zu einer Kugel einrollen. Dadurch schützen sie sich auch vor Verdunstung und sind weniger trockenheitsempfindlich als Mauer- und Kellerasseln. Sie ernähren sich von Laub und verrottenden Pflanzenteilen.
Kellerasseln (Porcellionidae)

Vertreter aus der Familie der Kellerasseln (Porcellionidae) besitzen einen grau bis graubraunen flachen, ovalen Körper. Sie sind auf Orte mit hoher Luftfeuchtigkeit angewiesen und kommen z.B. gerne in dunklen Kellern, unter Baumrinde oder feuchter Laubstreu vor.

