Summ Sala Blüh

Wer labt sich am duftenden Veilchen?

 
Biesenhorster Sand

Was summt und fliegt im Biesenhorster Sand?

Der Biesenhorster Sand ist mit seinen offenen und trockenen Lebensräumen ein wichtiger Rückzugsort für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Entstanden ist der typische Offenlandcharakter durch die langjährige Nutzung unter anderem durch das Militär und als Rangierbahnhof. Erst vor etwa 20 Jahren wurde die Nutzung vollständig eingestellt. Durch die Nutzungsaufgabe hat jedoch die Verbuschung eingesetzt, wodurch die offenen Sandstellen und wertvollen (Sand)Trockenrasen zunehmend verschwinden, die für viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum darstellen. Als Naturschutzgebiet wird der Biesenhorster Sand heute durch gezielt Pflegemaßnahmen offengehalten, um diesen einzigartigen Lebensraum zu erhalten und die dort lebenden Arten zu schützen.

 

Die Entdeckungstour durch den Biesenhorster Sand beginnt am Bahnhofsvorplatz des S-Bahnhofs Wuhlheide. Nach Überqueren des Bahnübergangs führt eine kleine Treppe direkt hinunter zu einer Kleingartenanlage. Von hier aus führt der Weg entlang der Bahntrassen zu den Flächen des Biesenhorster Sandes.

Noch vor dem eigentlichen Trockenbiotop lohnt sich ein Blick in die Umgebung der Gartenanlage. Am Wegrand konnten wir auffällige Gespinste an einigen Sträuchern entdecken. Dabei handelte es sich um die Nester der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella). Da Gespinnstmotten auf unterschiedliche Pflanzenarten spezialisiert sind, ist die Artbestimmung relativ einfach, wenn man die Pflanze erkennt. In diesem Fall war es das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus). Die Raupen fressen den Strauch vollständig kahl, was ihn jedoch nicht tötet. Er kann sich im Folgejahr wieder erholen. Die Tiere verpuppen sich schließlich am Boden. Bei Nahrungsmangel kann es zu einer Notverpuppung kommen, obwohl die Entwicklung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Die erwachsenen Motten sind klein, nachtaktiv und eher unscheinbar.

Der Insektenexperte Thomas Ziska hatte außerdem einen toten Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) (ein Weibchen) dabei. Diese Käfer kann man häufig in Kleingartenanlagen beobachten, da sich die sogenannten Engerlinge (Larven) in Komposthaufen entwickeln. Die Entwicklung bis zum Imago (ausgewachsener Käfer) dauert zwei bis drei Jahre. Die Käfer selbst leben nur noch wenige Wochen und sterben nach der Paarung und Eiablage. Sie ernähren sich dabei ausschließlich von ihren angelegten Fettreserven.

 

Der Weg führt weiter bis zu einem kleinen Kreisel. Von hier aus geht es auf einem Trampelpfad entlang des Waldrandes weiter (Bahntrasse auf der rechten Seite). An dieser Stelle verändert sich die Vegetation deutlich: Sie wird trockener, wärmer und lichtdurchfluteter. Solche Waldränder mit offenen Strukturen bieten ideale Lebensräume für eine Vielzahl wärmeliebender Insektenarten. Hier konnten wir zum Beispiel Erdhummeln beobachten, deren Nest vermutlich durch ein Tier gestört wurde. Erdhummeln bauen ihre Nester fast ausschließlich im Boden und leben in Staaten von durchschnittlich 80–100, manchmal sogar bis zu 600 Tieren.

Weitere Arten, die wir in diesem Bereich entdeckt haben waren unter anderem Blutzikaden (Cercopis vulnerata), einige Bläulinge (Lycaenidae) und die Larven von Langfühlerschrecken: zu erkennen an den langen Fühlern, die über die Körperlänge hinaus gehen können. Heuschrecken durchlaufen eine hemimetabole Entwicklung, d.h. sie verpuppen sich nicht und ihre Nymphen (Larven) ähneln den ausgewachsenen Tieren schon stark. 

 

Weiter entlang der Bahntrasse biegt der Weg leicht nach links ab. Auf einer offenen Fläche zwischen den Bäumen wurde ein Frühlingsmistkäfer (Trypocopris vernalis) gesichtet, gut zu erkennen an seinen metallisch glänzenden, glatten Flügeldecken und den kräftig bedornten Vorderbeinen, die perfekt sind, um sich in sandige Böden zu graben.

 

Durch einen lichten Waldstreifen gelangt man zur ersten großen Offenfläche, einem typischen (Sand-)Trockenrasenbiotop. Ob auf dem Boden, an den Bäumen und Sträuchern oder in der trockenen Wiese, hier können viele Insektenarten angetroffen werden. Dazu gehören zum Beispiel Schnellkäfer (Elateridae), die an ihrer schlanken Form, ihrer typischen Sprungbewegung und dem dabei entstehenden Klick-Geräusch erkennbar sind. Der Pappelblattkäfer (Chrysomela populi), auch Weidenblattkäfer genannt, ist ein kleiner schwarz-roter Käfer, der bevorzugt die Blätter von Pappeln und Weiden frisst. Weitere auffallende Bewohner sind Vertreter der Feuerkäfer (Pyrochroidae). Ob es sich um ein Weibchen oder Männchen handelt, kann man an den Fühlern erkennen. Denn anders als bei den Weibchen, sind die Fühler der Männchen stark gekämmt. Wir haben sogar einen Tausenfüßer (Myriapoda), auch Doppeltfüßer genannt, entdeckt. Man erkennt sie daran, dass sie zwei Beinpaare pro Segment besitzen, im Gegensatz zu Hundertfüßern, die nur ein Beinpaar pro Segment haben. Auch die Larven des Asiatischen Marienkäfers (Harmonia axyridis), einer nicht-heimischen invasiven Art, sind hier zu finden. Zudem fühlen sich zahlreiche Bläulinge im (Sand)Trockenrasen besonders wohl.

 

In dieser offenen, warmen Umgebung wurde auch eine Zauneidechse (Lacerta agilis) entdeckt. Durch die fehlende Sonnenwärme war sie noch etwas träge. Wichtig: Die Eidechse sollte niemals am Schwanz angefasst werden, da er eine natürliche Bruchstelle besitzt und bei Gefahr abgestoßen wird. Außerdem waren viele Marienkäfer-Eier auf Pappelblättern zu sehen sowie kunstvoll zusammengerollte und verklebte Blätter, in denen sich häufig Käferlarven verbergen.

 

Wir konnten sogar einen kurzen Blick auf das Maskottchen unseres Projekts erhaschen: Den Eichelbohrer (Curculio glandium). Der Eichelbohrer ist ein sehr kleiner Bewohner der Eichen und kann gut an seinem langen Rüssel erkannt werden, mit dem er die Eicheln anbohrt. Leider war er schnell verschwunden und wollte kein Foto zulassen. Um die Eichen herum und am Baum selbst gab es aber noch viel mehr zu entdecken wie zum Beispiel Springspinnen (Salticidae), Wanzen, kleine Raupen, Blattwespen (Tenthredinidae), Schwebfliegen (Syrphidae) und ein schwarz-weißer Trauerrosenkäfer (Oxythyrea funesta). Ein Stück weiter haben wir dann noch den Goldglänzenden Rosenkäfer gefunden (Cetonia aurata). Gut zu erkennen, an seiner metallisch glänzenden Oberseite. Wie alle Rosenkäfer hat er eine kleine Delle im Flügelrand. Diese Delle ermöglicht es ihm, sein zweites Flügelpaar zu entfalten ohne die Flügeldecken zu öffnen. Der Flug mit geschlossenen Flügeldecken ist ein gutes Erkennungsmerkmal für Rosenkäfer.

 

Über einen sandigen Waldweg gelangt man zu einer kleinen Lichtung mit Wiese. Hier konnten unter anderem folgende Tiere gesichtet werden: Ohrwürmer (Dermaptera), auch bekannt als Ohrenkneifer, Blattwespenlarven, die auf den ersten Blick wie kleine grüne Raupen wirken, ein großer Bau von Waldameisen (Formica), an dem ein geselliges Treiben herrschte und eine große Steinhummel (Bombus lapidarius), die sich jedoch schnell aus dem Staub machte.

Auf einem anschließenden, sehr steinigen Pfad huschten zahlreiche Spinnen über den Weg, die durch die Schritte der Besucher*innen aufgescheucht wurden. Dieser Pfad führt zurück in den Wald und schließlich auf eine weitere offene Fläche. Von dort aus beginnt der Rückweg entlang der Bahntrasse, wieder in Richtung der Kleingartenanlage.

 

Auf dem letzten Wegstück gab es noch einmal spannende Beobachtungen. Wir haben zum Beispiel an einer Eicher eine Goldafterraupe (Euproctis chrysorrhoea) gefunden. Hier ist etwas Vorsicht geboten, da ihre Brennhaare Hautreizungen verursachen können. Auf dem sonnigen und sandigen Trampelpfad haben sich zahlreiche Ameisen gesonnt um etwas Wärme zu speichern und sie dann mit in ihr Nest zutragen. Auf wild wachsendem Spargel tummelten sich einige Spargelhähnchen (Crioceris asparagi) und sogar eine Kamelhalsfliege (Raphidioptera) kreuzte unseren Weg.

 

Tipp: Da es etwas kühl und bedeckt war, hatten sich einige der kleinen Krabbeltiere etwas zurückgezogen. Natürlich findet man dennoch eine große Artenvielfalt vor, vor allem, wenn man sich die Zeit nimmt und mal genauer hinschaut. Am meisten zu entdecken gibt es aber, wenn es warm ist und die Sonne scheint und sich die dort lebenden wärmeliebenden Insektenarten an der warmen Jahreszeit erfreuen.